Ulrich & Wolfgang - Huetter h 17

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Ulrich & Wolfgang

Ulrich & Wolfgang

Ulrich Hütter (heute Dr.Dipl.Ing.) hatte Mitte der 30er Jahre noch als Student an der Technischen Hochschule in Wien ein Kleinsegelflugzeug konstruiert, das für die Berge besser geeignet sein sollte als Maschinen mit großen Spannweiten.
Die H 17, so die Bezeichnung, hatte eine Spannweite von unter 10m erhalten, besaß - nur eine Flächenstrebe pro Flügel und einen geschlossenen Rumpf. Durch die Kleinheit bedingt, hatte der Segler eine höhere Flächenbelastung und dadurch eine größere Fluggeschwindigkeit gegenüber den damals verwendeten Gleitern.
Die praktische Erprobung zeigte, daß beim Segeln am Hang der neue RRG "Falke" und die "Kassel 20" immer wieder überstiegen werden konnten - der Bau und die Erprobung des Prototyps "Margit", erfolgten in Salzburg, Flugbetrieb ab September 1934 vom Gaisbergsegelfluggelände.
Sicher segelte die Maschine bereits bei 5m/sec Wind, die erflogene Sinkgeschwindigkeit lag bei 0,92 und 0,96m/sec. , Gleitwinkel 1:17. Das Flugzeug war nach den Bauvorschriften, des Deutschen Forschungsinstitutes für Segelflug (DFS) - berechnet für Schlepp und Kunstflug - ausgeführt. Im Föhnsturm wurde die Maschine erprobt, Gebirgslandungen durchgeführt und an Hängen mit nur 100m Länge und 30m Höhe. Kreise von 6sec.Dauer waren damit möglich. Mehrere Höhen- und Dauerflüge wurden mit dieser Konstruktion durchgeführt.
Zur Eröffung des Flugbetriebes 1935 am Gaisberg startete Ende Februar Paul Salzberger mit der  " Margit "  und erreichte bei starken Turbulenzen eine Flughöhe von 1600m und blieb über eine Stunde in der Luft, den Flug mußte er wegen eines Schneetreibens abbrechen.
Für andere Leistungen im Segelflug erhielt Heinrich Hütter als erster Segelflieger in Österreich den Titel Staatsmeister im Segelflug zuerkannt (1937) Hütter flog einen neuen österreichischen Dauerflugrekord von fast 28 Stunden (27 Stunden, 50 Minuten), einen Höhenflug von 1115 Meter und einen Streckenflug von 52,5km, brachten ihm damals 863 Punkte. Ihm am nächsten war Toni Kahlbacher gekommen, mit 757 Punkten.
Im Sommer 1935 wurden vom 20.Juli bis 4.August der 1.Alpine Gaisberg Wettbewerb abgehalten. Hier startete Ulrich Hütter mit " Margit "  und Marino Munz auf  " Franz Kain "   ( beides Hütter H 17 ) für den Aero-Club Salzburg.

Hütter H 17 - Göppingen Gö 5
Im Frühjahr 1936 verließ Wolfgang Hütter Wien, um nach Stuttgart zu Wolf Hirth zu gehen und um auch dort sein Studium zu beenden. Wolf Hirth stürzte aber inzwischen in Budapest ab und war schwer verletzt. So kam Hütter zufällig nach Göppingen zu Martin Schempp. Der Bruder Ulrich Hütter kam dann im August 1936 nach. Die Pläne des Kleinseglers H 17 wurden mitgebracht und hier als Serie neuaufgelegt. Noch vor Ende des Jahres 1936 war das erste Flugzeug, nunmehr als GÖ5 bezeichnet, fertiggestellt. Im Unterschied zu den nach Plänen im Eigenbau der Segelflugsportvereine hergestellten H 17, erhielten die dem Prototyp nachfolgenden GÖ 5 ein Landerad hinter der Kufe.

Im Bauprogramm 1936 des Österreichischen Aero Clubs wurden fünf H 17 in der Zentralwerkstätte gefertigt
(Wien 3, Dietrichgasse 17). Werk-Nummer 45 bis 49.
Die Kosten betrugen für alle fünf Flugzeuge 10.714.71.- öS.,  Zeitaufwand für die Fertigung 7.063 Stunden.



Während eines Rekordfluges in Hundsheim
im Oktober 1937 verfasste Heinrich Hütter
folgende Zeilen:

Nachtflug

Einsam am Berg
Ein Feuer brennt.
Es wachen Kameraden
Für einen, der hoch droben hängt
Mit Tatendrang geladen.

Sie sehn ihn nicht
Doch irgendwo
Fliegt er durch Sternenweiten.
Sein ganzes Denken ist Gedicht,
Sein Schweben und sein Gleiten.

Doch alle Stunden schwenken sie
Im Kreise Feuerscheiter.
Drauf er von hoch zurück er blickt
Zu zeigen, er fliegt weiter.
.  
Und warm  ums Herz
Wird jedesmal
Ihm bei dem Feuerkreisen.
Er fühlt beglückt
Einsam im All
Ihm Freunde sicher weisen.


Auf "H17" 1790m über Start
Tagebuchskizzen von Heini  Hütter

Vom 19. bis zum 25. April flog Heini Hütter auf der kleinen "H17" in  vierzehn Starts insgesamt 41 Flugstunden. Es waren Flüge darunter mit 4 Stunden, 6 Stunden 32 Minuten, 4 Stunden 50 Minuten (Nachtlandung), 5 Stunden 18 Minuten, 3 Stunden 25 Minuten, und 6 Stunden 34 Minuten Dauer und Startüberhöhungen von 420, 600, 520, 1790,  510, 400 und 830 m.  Wohl wären diese Flüge, die er als einzelner mit der eigenen Maschine ausführte, ohne die kameradschaftliche Hilfe der verschiedenen Fliegergruppen kaum denkbar gewesen. In erster Linie aber kamen sie durch die Beihilfe von kleinen "Buam" und ganz wenigen Helfern zustande. Auch dies ist nur mit einer derart kleinen, leichten Maschine, wie sie die "H17" darstellt, möglich, einem Vogel, dessen Leistungsfähigkeit nach diesen letzten Ergebnissen wohl außer Frage steht.

Donnerstag, den 9.April ….
Die "H17" war fest verankert über Nacht am Fusse des Spitzerberges geblieben. Ich hatte am Vortag  ein paar Burschen für den Transport des Vogels nach Hundsheim und auf den Kogel bestellt.  In der Früh kamen aber nur ein paar kleine "Buam". Bei der neuerlichen Suche nach kräftigen Burschen traf ich in einem kleinen Gasthaus einen Siphon- und Kracherlfahrer, dessen vollbeladenes Lastauto vor dem Hause stand. (Es war derselbe, der Ruthammer seinerzeit nach dessen Streckenflug von der Grenze abgeholt hatte.) Der Mann bot mir seinen Wagen für den Transport an. Vollständig aufmontiert stellten wir die "H17" auf das Auto zuhöchst auf die klappernden Kisten und fuhren in "Slalom" zwischen den die Strasse säumenden Obstbäumen durch. Bis hinauf auf die Hutweide am Fusse des Hundsheimers fuhren wir so, auf Siphonflaschen balancierend  und die Maschine haltend. Nach dieser abenteuerlichen Reise  wollten die beiden Fahrer dann nicht einmal ein Trinkgeld nehmen. Also auch in Hundsheim gibt es Sportsgeist ! Auf der Hutweide drängten sich nun ein Dutzend Hundsheimer Buam, denen dieser Transport riesig gefallen hatte, die "H17-OE-Margit"  auf den Berg hinaufzuschleppen. Während dieser Arbeit segelten bereits ein "Bussard" und ein "Baby" lautlos hoch über uns. Wir mußten noch schwitzend über den steilen Weg hinauf den aufmontierten Vogel schleppen. Als wir dann endlich oben anlangten, war der "Bussard" bereits dabei "abzuhauen". Das "Baby" segelte noch in der Abendthermik. Die Akaflieg half mir beim Start. Nach wenigen Sekunden hatte ich die Höhe des "Baby" erreicht, hatte es überstiegen und segelte nun ständig etwas höher als dieses. Nach einer halben Stunde landete ich neben dem "Baby", das schon eine Viertelstunde vorher heruntergekommen war….

Mittwoch den 15,April ....
Schon in den frühen Vormittagsstunden standen herrliche Kumuli am Himmel. Der Wind war ziemlich flau. Zu Mittag frischte er auf und gleich darauf starteten mich die Aka-Leute. Schnell hatte ich 300 m über Start durch das Auskurbeln eines Wolkenaufwindes erreicht. Doch mußte ich dieses Aufwindfeld bald verlassen, um wieder an den Hang heranzukommen, denn die Wolken trieben mit dem Wind über den Berg. Mittlerweile starte Peter Lerch mit dem "Bussard".
Bald hatte er sich auf meine Höhe heraufgeschraubt und nun  flogen wir das alte Spiel " Wer kommt am höchsten". Durch die fabelhafte Wendigkeit und Steigfähigkeit meiner Maschine konnte mich Peter kaum überhöhen. Als nun nach einer halben Flugstunde unter einer Wolke mein Variometer ständig 1,5m Steigen anzeigte, ich lies mich doch verleiten bis weit hinter dem Hundsheimerkogel zu kreisen. Da war aber doch der Abwind des Berges zu groß und es ging schnell von den mühsam gewonnenen 520m über Start wieder herunter. Ich versuchte wieder zum Hang vorzufliegen, aber leider mißlang das diesmal. Nun wollte ich mich am Braunsberg bei Hainburg halten und wieder höherschrauben. Da konnte ich wohl zehn Minuten knapp an dem Felsen vorbeifliegend segeln, dann war es aber endgültig vorbei. Nach einer sauberen Landung am Fusse des Braunberges (nach dreiviertel Stunden Flugzeit) musste ich unter stillen Selbstvorwürfen zusehen, wie Peter die Wolkenbasis erreichte und in die Wolken stieß. Ich sah wie er die Wolke durchstieg, zur nächsten vordrückte und dieses Spiel wiederholte bis ich ihn fern der aus der Sicht verlor. Peter war auf jenem Fluge, der ihn 144 km bis in die Gegend von Trebisch ( C.S.R.)  brachte....

Freitag, den 17.April ....
Frühmorgens schon herrliche Kumuli und starker Südwind. Der erste Leistungsflieger der Akaflieg Ruthammer schlägt mir vor, einmal zu versuchen, vom Fuße des Hundsheimerkogels von der Hutweide weg zu starten. Ich war sofort begeistert. Wir trugen die Maschine hinauf und los gings. Unangenehm war das Hängen der Maschine am Hang und daß keine 15 m unter mir die Dächer von Hundsheim lagen. Außerdem konnte die Startmannschaft nicht viel laufen, so mußte  ich gleich stark nachdrücken, um den Seilschwung voll auszunützen. Dann eine enge Kurve - es scheint, als wollte ich in den Berg hineinsausen. Doch mit 4 - 5 Meter in der Sekunde geht es hinauf. Mit 300 bis 400 m über dem Hundsheimer war es dann vorderhand vorbei,  und  ich konnte mich von der Bockigkeit beim Start und beim Steigen erholen. So  -  nun wird links herum und rechts herum bis zum Überdruss gekreist. (Es geschieht dies statt der versäumten gymnastischen Übungen am Morgen.)  Ein Wolkenaufwind trägt mich mehr als 500 m über den Berg empor. Ich lasse mich aber nicht allzuweit durch das Kreisen zurücktreiben, gewitzigt durch meinen Flug am Mittwoch. Das war vielleicht schlecht. Hätte ich diese Wolke ausgenützt, wäre es wohl einleichtes gewesen, die beiden Wolkenstrassen, die sich riesig hoch links und rechts vom Neusiedlersee gebildet hatten ,zu erreichen. So aber lösten sich gerade im Gebiet des Hundsheimers alle Kumuli auf, und ich musste mit stiller Wut dem Auftürmen und Zerfall der Wolken  ungefähr 10 km seitlich von mir tatenlos zusehen. So um 15 Uhr sah es trostlos aus. Alle Kumuli rings umher hatten sich aufgelöst, und ich harrte oben nur aus, weil ich mich in Kreisen und wieder Kreisen übte…    da um 15.15 Uhr tauchte  im Westen ein dunkler  Streifen auf und kam schnell heran. Bald konnte ich davon ausgehende Regenschauer erkennen. Ein Wärmegewitter, wie es im Buch steht, gings mir durch den Kopf. Da ich mit Bockigkeit rechnen konnte, suchte ich die Schultergurten fester zu ziehen und verstaute die meine ständig mitgeführte Kaffeeflasche und den Proviantsack möglichst gut, nachdem ich mich aus beiden ordentlich gestärkt hatte. Eine Flaute die ich glücklich überbrückte, zeigte das Drehen des Windes an, und innerhalb einer halben Stunde war West Süd West.  Nun flog ich bis zur Radiostation, ja noch weiter  vor und fand überall Aufwind. Schon waren die Wolken in breiter Front da und saugten mich mit 2, 2,5 und 3m Sek.  An.  Dann fast plötzlich, gings mit 6, ja 8 m/Sek in die Höhe.  Die Wolken schienen auf mich herunterzufallen.  Und schon warst  weiss um mich herum. Immer noch zeigte das Variometer 8 m/Sek. Steigen.  Meinen Taschenkompaß hatte ich herausgezogen, doch schnell die Unmöglichkeit, sich damit irgendwie zu orientieren, eingesehen.  Auf einmal wird's arg bockig, und ich muß mich bemühen, meine Fressalien und die Flasche beisammenzuhalten. Diese Augenblicke, in denen ich das Variometer aus den Augen ließ,  wurden mir zum Verhängnis.  Da das Variometer  +- 5m/Sek.  geht und kein Anschlag vorhanden war,  zeigte es bei 8m/Sek  Steigen (was ich durch Wandern des Höhenmessers kontrollieren konnte) auf  - 2m. Jetzt auf einmal  stand der  Variometerzeiger auf +-5. War das nun Plus oder Minus?. Der Höhenmesser belehrte mich  gleich, daß ich leider stark fiel. Im nächsten Augenblick kam ich leicht seitlich hängend, aus der Wolke heraus. Die Maschine pendelt im Blindflug, wenn man die Steuer normal läßt, jede Böe aus und fliegt dann normal weiter. Ein grosser  Vorteil, den ich umso angenehmer empfand, als ich außer meinem Taschenkompaß kein Blindfluginstrument in der Maschine hatte… Durch die Wolken war es  etwas düster geworden, so daß ich die Landschaft unter mir kaum erkennen konnte. Ich versuchte, den Wolken nachfliegend, wieder an den Böenkopf zu kommen, gab es aber nach kurzen Minuten über dem Thebnerkogel auf. Jetzt wurde es ungemütlich bockig. Meine Orangen kollerten wild im Rumpf herum, und auch mein Kopf bekam vom Flügel anständige Schläge. Die Maschine schmierte links und rechts und ich konnte nichts anderes tun, als nur die Fahrt in einem ordentlichen Bereich halten. Es kostete mir ordentlich Mühe, die Füße auf den Pedalen zu belassen. Bald hatte ich nur mehr 200m über dem Thebnerkogel und war ganz verzweifelt, schon wieder eine Streckenflugmöglichkeit versäumt zu haben. Doch langsam gings wieder hoch. Kaum hatte ich wieder 500m über dem Hundsheimer, flog ich vor und suchte noch einmal zum Hundsheimer Westhang vorzukommen. Doch es gelang mir nicht mehr, da der Hangabwind sich allzu stark bemerkbar machte. So landete ich um 17 Uhr auf einem Acker bei Hainburg. Die genaue Auswertung des Barogrammes von diesem Flug ergab 1790m über Start, das war immerhin die zweitbeste österreichische Höhenleistung für Segelflugzeuge.
5 Stunden 18 Minuten war ich droben geblieben.

Auszug aus: Der Pilot 1936, Heft  1936 4/5,  Seite  34 ff.

 
Besucherzaehler
Copyright 2016. All rights reserved.
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü